Der Musikverein ab 1933

In den Jahren des „Dritten Reiches“ blieb der Musikverein in seiner Substanz erhalten. Dazu hat sicher beigetragen, dass die bürgerliche Gemeinde den Verein finanziell unterstützte. So gab es 1934 100 Mark. Allerdings „unter der Voraussetzung, dass sich die Kapelle bei allen öffentlichen Feiern unentgeltlich zur Verfügung stellt.“, wie es im Protokoll des Gemeinderates vom 14. März 1934 unmissverständlich heißt. Die Aktivitäten waren aber auch von den NS-Organisationen insoweit beeinflusst, als es zwingend war, sich unter der Herrschaft des „Amtes für Volkstum und Heimat“ so genanntem „Volksdeutschem Bekenntnis“ unter zu ordnen. Dieses Amt war unter dem Dach „Kraft durch Freude (KdF)“ unter anderem auch für Musikvereine zuständig. Zentraler Auftritt bis 1939 war der „Nationale Feiertag des deutschen Volkes“, der 1. Mai, mit diesem Inhalt damals uminterpretiert.

Musikverein 1934Aus den Annalen, dürftig genug in dieser Zeit, ergibt sich immerhin:

• dass zwischen 1933 und 1939 acht Sielminger Bürger Mitglied des Musikvereins wurden,

• dass der Verein sich an „Nationalen Feiertag… (siehe oben)“ und so genannten „Siegesfeiern“ (gemeint: 1870/71), "Sonnenwendfeiern mit Fackelzug" und anderem beteiligt hat,

• dass dem Verein ab 1935 ein jährlicher Beitrag von 160 Reichsmark(RM) verwilligt wurde, weil die Musiker „ohne murren kostenlos öffentliche Veranstaltungen begleiteten“. P.S.: die Hitlerjugend erhielt 200 RM je Jahr,

• dass die 15-Mann-Kapelle am 24.Juni 1934  „vormittags 11 Uhr in der Herrenberger Turnhalle am Wettspiel“ teilnahm und in der Unterstufe die höchste Klasse (I a) erreichte. Übrigens: die Musiker gingen zu Fuß dort hin, ab morgens 06:00 Uhr!

• dass im Mai 1937 KdF einen Zwei-Tages-Ausflug ins Bayerische mit finanzierte.

• Interessant ist der Eintrag im Jahre 1937, weil dort am 05. Juli beim Gartenfest des Schützenvereines gespielt wurde. Die Schießbahn ist noch heute entlang des Fleinsbaches auf dem Gelände der Klinker-Mühle zu erkennen.

Gleichzeitig heißt es im Protokoll am 26. Dezember 1938 anlässlich der Jahresfeier, dass der Verein zwar auf ein erfolgreiches Arbeitsjahr zurück blicken kann, „… Aber leider fehlt es an jungen Kräften obwohl sich der Verein Mühe gibt junge heran zu bilden hat er in den letzten Jahren wenig Erfolg dabei …“. Dem steht gegenüber, dass an der Volksschule schon zu Beginn des NS-Regimes ein Spielmannszug gegründet wurde, der immerhin 36 junge aktive Spieler umfasst haben soll, darunter 15 Trommler. Auch der Musikverein opferte dem „Geist der Zeit“ einiges. So musste die „Frühjahrsunterhaltung“ wegen  „… Wechsels in der Musik …“ (gemeint ist die erwünschte Literatur) abgesagt werden und gleichzeitig wurden erstmals „… Horn und Tambours …“ ausgebildet.

Ein Zeitzeuge dazu: „Wer in der Schule am besten singen konnte, durfte da mitmachen“. Und: „Der (Zugführer) hat uns bis zum Sportplatz marschieren lassen, ohne Pause und immer im Gleichschritt und immer die Trommel schlagend“. Dieser Sportplatz lag dort, wo sich heute die Verkehrsübungsanlage des MSC befindet. Dort wurde auch die Sonnenwendfeier mit „großem Höhenfeuer“ zelebriert. Am 29. und 30. Juli 1939 beging der Verein seinen zehnten Jahrestag. Ein Festzug mit vielen Nachbarvereinen und dem örtlichen Sängerbund führte durch den Ort zum Festzelt. Der Festplatz war zu dieser Zeit im Bereich Wieland-/Brühlstrasse. Der Protokollant schreibt auch: „… aus mancherlei Leut Mund hört man sagen, dia hent au a sau glük da kas a Stond duvor no regna ond goht bei denne Feschtle a, no schaint d Son em höchsta Grad“. „Ond wieder andre“ so setzt Karl Schlecht das Protokoll fort, „hent dovor schau gsait dr Musikverei hot Feschtle in der nächste Zeit, do müssmer sei auf der hut liebe Leut, dass mer mähet unsern Klee frih, denn so gring mer s ganz Johr nichts meh nei“.

Anmerkung dazu aus heutiger Sicht: Wie sich die „Wetter-Zeiten“ doch nicht gleichen! Heute heißt es eher, „Heuet schnell, der Musikverein hat am Wochenende ein Fest, da wird es nass“.

Mit dem Eintrag vom 14. August 1939 beendet der Schriftführer, Karl Schlecht, das Protokoll.

Am 01. September 1939 erklärte die deutsche Regierung Polen den Krieg. Fast alle Musiker wurden eingezogen. Es kamen nicht mehr zurück:

Richard Arnold, Friedrich Gohl, Albert Hertler, Albert Schölkopf

Das Protokoll-Buch selbst bleibt bis 1949 zu.

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